2008 06.22. Konzert des Jugendsinfonieorchesters und des Städt. Musikvereins im Konzerttheater Drucken

Allgemeine Zeitung Coesfeld, 24.06.2008

Überzeugende Synthese

Musikverein mit Geistlichem und Weltlichem

Von unserem Mitarbeiter Ulrich Wesseler


Coesfeld. Das mochte zunächst befremdlich ersheinen: neben dem geistlichen Text eine weltliche Empfindung, Mozarts „Krönungsmesse" und die „Zigeunerlieder" von Brahms in einer Veranstaltung.
Doch fast alle Besucher ließen sich schließlich von einer Synthese überzeugen, denn die Verbindung zu einem gemeinsamen Ausdruck gelang mühelos.
Die große Klammer war der Städtische Musikverein Coesfeld, der mit dieser Aufführung eine sichere Bandbreite seines Könnens, und der musikalischen Möglichkeiten präsentierte.

So geriet dieses Sonderkonzert zu einem besonderen Event, das in seiner Anlage Bewährtes mit Neuem zu verbinden wusste:
Das Interessante zunächst war die Sinfonie B-Dur von Muzio Clementi, gespielt vom Jugendsinfonieorchester der Musikschule unter Leitung von Bernd Mertens.
Selten war dieses Werk eines Komponisten, Verlegers und Unternehmers, der sonst eher in der Klavierstunde überlebt hat, doch eine Entdeckung, auch für die Ausführenden.
Denn das Orchester schien geradezu prädestiniert für diese Musik, die mit Elan, spielerischer Treffsicherheit und mit Können angegangen wurde.

Über heiße, Liebesschwüre, Untreue bis zum Verlassensein reichen die Inhalte der „Zigeunerlieder" von Jo hannes Brahms.
Die elf Gesänge in der Fassung für Klavier und Chor stellen ein Maximum des Ausdrucks dar.
Da war der Musikvereinschor unter Leitung von Ralf Junghöfer echt geforrdert, bewältigte aber die komplizierten auch intonationsmäßig schwierigen Lagen mit souveräner Gelassenheit.
Einige Piecen gelangen vorzüglich, so z. B. „Brauner Bursche" und „Rote Abendwolken", mit denen an diesem schwülen Sommerabend Stimmungsbilder eingefangen wurden, unterstützt durch den ausgezeichneten Pianisten Lucius Rühl.

Die „Krönungsmesse" kann sich auf einen sicheren Bekanntheitsgrad stützen, was einen gewissen Anspruch der Zuhörer mit sich bringt, die dieses Werk, das immer wieder mit allerlei „Krönungs- feierlichkeitsmythen" verhaftet ist, mit Behaglichkeit genießen wollen.
Der Chor sowie das stärker besetzte Orchester unter Ralf Junghöfer zeigten mit starkem Engagement ihre vollkommene Vertrautheit mit der satztechnischen Anlage.
Und natürlich auch die Solisten Barbara Adams-Heidbrink, Sopran, Sandra van Gemert, Alt, Manfred Jung, Tenor, und Arndt Winkelmann, Bass, die, überwiegend im Ensemble singend, sich nahtlos in den Gesamtklang einfügten.
Das führte zu einer aussagekräftigen Struktur, die letztendlich diese Messe auch über ihre liturgische Funktion hinaus zu einem autonomen Kunstwerk werden ließ.



Programm:

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