2011 07.17. Abschiedskonzert für Rudolf Innig Drucken

Im vierzigsten Jahr des Bestehens der Musikschule des Zweckverbandes der Gemeinden Coesfeld, Billerbeck und Rosendahl verläßt Rudolf Innig nach fast 33 jähriger Tätigkeit als Leiter des Institutes die Musikschule und tritt einen neuen Lebensabschnitt an.
Um seine großen Verdienste um das musikalische und kulturelle Leben des Zweckverbandes zu würdigen, veranstaltet die Musikschule ein Konzert mit dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule in der St. Lamberti Kirche.
Hierbei wird Rudolf Innig am 17. Juli 2011 um 18.00 Uhr als Solist an der Orgel u.a. mit dem Konzert für Orgel und Orchester d-Moll von Gabriel Rheinberger zu hören sein.



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AZ. vom 9. Juli 2011:

"Musikschule wird präsent bleiben"
Leiter Rudolf Innig nimmt nach fast 33 Jahren Abschied

Rudolf Innig - mit diesem Namen ist die Musikschule Coesfeld - Billerbeck - Rosendahl seit ihrer Gründung untrennbar verbunden.
Fast 33 Jahre lang hat Innig die Musikschule geleitet und sie auf ihrem Weg durch die gesellschaftlichen Veränderungen dirigiert.
Am Sonntag (17. Juli) wird der 64-Jährige mit einem Konzert und einer feierstunde verabschiedet.
Mit Redakteurin Ulrike Deusch hat er auf sein Wirken zurückgeschaut und zu den aktuellen Herausforderungen an die Musikschule Stellung bezogen.

Herr Innig, was hat ihnen an ihrer Arbeit so viel Freude gemacht, dass Sie fast 33 Jahre lang geblieben sind?

Das sind viele Aspekte zusammengekommen. Ich fand 1979 eine interessante Aufbruchstimmung vor. Der Zweckverband war gerade gegründet worden, und die Musikschule wartete quasi darauf, mit Leben erfüllt zu werden.
Wir sind mit Begeisterung an die Arbeit gegangen und fanden überall Zusatimmung und Unterstützung, gerade bei Schülern und Eltern.

Und dann?

Ein wesentlicher Impuls gleich zu Beginn war die Gründung des Sinfonieorchesters. Neue Kollegiumsmitglieder kamen dann hinzu. Vor allem mit Wolfgang Meschendörfer habe ich einen wunderbaren Kollegen und später auch Stellvertreter bekommen.
Wir dachten und empfanden ähnlich und hatten beide das Bedürfnis, an der Musikschule Sinnstiftendes zu tun.
28 Jahre haben wir zusammen gearbeitet. Anfangs hatten wir viele Gestaltungsmöglichkeiten, haben Strukturen aufgebaut, Ensembles ins Leben gerufen und Konzertreihen entwickelt.
An der Kolping-Bildungsstätte gab es mit Peter Schmitz-Hübsch einen Leiter, mit dem sich viele Kooperationen realisieren ließen, zum Beispiel die "Coesfelder Orchestertage", die gerade ihr 30-jähriges Bestehen feiern konnten.
Und seit 10 jahren haben wir optimale räumliche Bedingungen im WBK und Konzert Theater.
Was mich aber auch in Coesfeld gehalten hat, ist die Tatsache, dass es möglich war, meine eigenen künstlerischenen Ambitionen zu verwirklichen.

Was betrachten Sie als die größte Herausforderung, die die Musikschule in ihrer Zeit bewältigen musste?

Die Struktur der Musikschule hat sich in den vergangenen rund 30 Jahren mehrfach verändert - weil sich die Gesellschaft verändert hat.
Viele Kinder finden den Weg zur Musik nicht mehr über das Elternhaus. Das hat dazu geführt, dass wir seit einigen Jahren eng mit allen allgemeinbildenden Schulen kooperieren.
Auch die Einrichtung unseres Projektbereiches ist eine Reaktion auf Veränderungen in der Gesellschaft.
Wir machen damit in Kursen kurzfristige thematische Angebote, und das auch für Erwachsene .
Und schließlich reagieren wir darauf, dass sich bei den Menschen die Vorstellung davon verändert hat, was Musik ist.
Als zum Beispiel 1993 unsere Rockband entstand, war das hier etwas Besonderes. Heute sind Rock- und Popmusik ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Unterrichtsangebotes. 
Zuletzt haben wir mit dem Euregio-Tastentag gezeigt, was in der Mischung aus Komposition, Arrangement und Improvisation alles möglich ist.
Das Angebot immer der Gegenwart anzupassen - das war, ist und wird immer eine ganz entscheidende Herausforderung für die Musikschule bleiben.
Es war übrigens auch eine Herausforderung für mich, der ich ja von der klassischen Musik komme, die Nase in den Wind zu halten.


Sich an der Gegenwart orientieren - ist das also die wichtigste Voraussetzung für die Musikschule, um zukunftsfähig zu bleiben?

Lassen Sie es mich so sagen: Es gibt keine Krise der Musik oder der Musikschule. Sie wird in vielen Varianten präsent bleiben.
Die Kolleginnen und Kollegen, die hier das Geschehen künftig prägen, sind einige Jahrzehnte jünger als ich. Sie stecken voll Kreativität und guter Ideen. Sicher wird dabei auch die Kooperation mit den Schulen und anderen Partnern ein wichtiges Thema sein.

Warum ist musikalische Bildung gerade für Kinder so wichtig?

Musik fördert und fordert den Menschen ganzheitlich, interlektuell und emotional. Man lernt Konzentration, Disziplin, Verlässlichkeit und Solidarität - und das alles nicht als Selbstzweck, sondern quasi nebenbei mit anderen und für andere. Als Mitglied in Chören, Ensembles und Orchestern ist man ein sinnvoller Teil eines großen Ganzen.
Und wenn man das auf einer Orchestertounree wie im letzten Jahr in die USA erfährt, ist das besonders schön und prägend.

Wie sehen Ihre privaten und musikalischen Zukunftspläne aus?

In meiner Brust haben hier ja immer zwei Seelen gewohnt. Als Musikschulleiter war ich zuletzt so etwas wie der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Aber ich bin immer ein Musiker mit hohen Ansprüchen an mich selbst geblieben – und bleibe so vielleicht der einzige Musikschulleiter, der während seiner Amtszeit für eine CD-Einspielung mit dem Echo-Klassik-Preis ausgezeichnet wurde.
Meine Frau und ich werden nach Bielefeld ziehen.
Dort gibt es sogar Ende Juli für mich ein „Einbürgerungskonzert“. Für die nächste Zukunft plane ich eine CD-Produktion mit Orgelwerken des amerikanischen Komponisten und Rheinberger-Schülers Horatio Parker. Und ein ganz großes Projekt will ich beginnen: die Bearbeitung einiger Sinfonien von Anton Bruckner für die Orgel.





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